SKS
Benno
Es gibt Leute, die kaufen sich so eine Yacht und segeln los, ohne jede Ahnung. Das kann man so machen und ist auch überhaupt nicht verwerflich, wir sind aber dafür viel zu spiessig. Wir wollen es “richtig” machen. Ausserdem haben wir fest vor, bevor wir eine Yacht kaufen, verschiedene Yachten zu chartern, um auszuprobieren, was für uns funktioniert. Und wenn man chartert, braucht man einen Nachweis, dass man auch weiss, was man tut. Sonst geben die einem keine Yacht, verständlicherweise.

Was man also braucht, ist ein Motorbootführerschein (diese Yachten haben alle Motoren), einen Segelschein für die Küstenfahrt (Day Skipper) und einen Funkschein. Es gibt da irgendwie das Gerücht, dass das eine riesige Sache sei, mit zuerst jahrelanger Erfahrung auf Binnengewässern, und dann 1000 Seemeilen Nachweis und Hochseeschein und so ein Mist. Das ist überhaupt nicht so. Man muss als Schweizer auch keinen Schweizer Schein machen. Das ist völliger Unsinn.



Wir waren ja auf der Boot Düsseldorf bei Sönkes Blauwasserseminar und haben uns informiert. Es gibt im Wesentlichen zwei Day Skipper Nachweise: Einen von RYA und einen von ASA. RYA von der englischen Royal Yachting Association und den ASA von der American Sailing Association.

Die JoJo Segelschule aus München hatte auch einen Stand auf der Boot Düsseldorf und die haben uns gleich überzeugt. Sie machen aber die deutsche Variante vom Deutschen Segler-Verband: SBF See, den Sportbootführerschein für Motorboote im Meer, und den SKS, den Sportküstenschifferschein für Segeln der Küste entlang. Diese Scheine haben einen guten Ruf und sind sehr bekannt in Europa. Also versuchen wir das.
Der Praxisteil des SBF war ein Klacks, um nicht zu sagen lächerlich. Aber wir wollen ja eh nicht Motorboot fahren. Die Theorie war aber nicht schlecht, wir haben viel gelernt und da muss man schon etwas üben. Vor allem die Kartenaufgaben haben es in sich.

Beim SKS ist dann definitiv Schluss mit lustig. Hier wird die Praxis aufwändig und die Theorie herausfordernd. Für die Praxis begeben wir uns nach Portorož, Slowenien, wo wir eines der JoJo Schulschiffe für eine Woche besegeln. Wir üben jeden Tag mehrere Stunden Manöver und Theorie. Es wird gedrillt wie im Militär. Die Prüfung am letzten Tag bestehen wir dann auch problemlos. Zumindest ich; Alexandra wird leider in der Woche krank, kann nicht üben und nimmt entsprechend gar nicht an der Prüfung teil.

Die Theorieprüfung bestehe ich dann auch noch kurz vor Weihnachten. Das war echt nicht einfach und ich musste richtig büffeln. Es hat mich der Ehrgeiz gepackt und ich finde zumindest die Navigationsaufgaben spannend. Ganz anders sieht das Alex: Bei ihr kommen traumatische Erinnerungen aus dem Matheunterricht hoch und sie bricht die Übung ab. Ehrlich gesagt ist das Ganze auch nicht wirklich zielführend. Die Theorie scheint veraltet und in einer Tradition gefangen zu sein. Der SKS braucht dringend eine Reform, aber wie so vieles ist auch diese in Deutschland stecken geblieben, irgendwo in einem Sumpf aus Befindlichkeiten.

Alex hat sich entschieden, den ASA zu machen. Dieser findet aber nicht bei JoJo statt, sondern bei einer Segelschule in Rijeka im Frühling. Wir sind gespannt, ob das besser ist. Zumindest macht es einen moderneren und flexibleren Eindruck.