Charter
Benno
Damit Alex und ich Erfahrungen sammeln können mit verschiedenen Yachten haben wir uns entschieden zu Chartern. Chartern bedeutet so viel wie: Wir mieten eine Yacht, ganz ähnlich wie man Autos mietet.

Erfahrung wollen wir einerseits sammeln um unsere Segelkenntnisse zu verbessern, fast wichtiger für uns ist aber: Auf welcher Art von Schiff können wir und Charly uns vorstellen auch über längere Zeit zu leben. Man bedenke: 80% der Zeit verbringen Langfahrer vor Anker oder in der Marina.

Die Auswahl einer Yacht ist komplex und es spielen viele Faktoren zusammen. Die wichtigsten Parameter dabei sind: Einfachrumpf oder Mehrfachrumpf, die Länge des Schiffes, traditionellerweise angegeben in Fuss, das Einsatzgebiet für welches die Yacht designed wurde, die Verfügbarkeit auf dem Gebrauchtmarkt, und natürlich vor allem: Der Preis.

Das sind aber nur die groben Parameter, es gibt viele mehr: Konstruktionsmaterial, Qualität, Wiederverkaufswert, Wartungskosten, vorhandene Ausrüstung, Ersatzteilbeschaffung, Versicherungsfähigkeit, Historie.
Hat man einen möglichen Kandidaten ausgemacht, beauftragt man einen Profi um ein Schiffsgutachten zu machen, denn ein solches Schiff kann verdeckte Mängel haben die sehr teuer bis unmöglich zu reparieren sind. Entsprechend bestehen viele Versicherungen auf ein Gutachten.
Normalerweise klafft eine grosse Lücke zwischen dem Schiff das man sich wünscht und dem Schiff das man sich leisten kann, so auch bei uns. Daher müssen wir Kompromisse eingehen. Ein möglicher Kompromiss, den wir uns vorstellen können, ist der Kauf eines sogenannten Produktionsbootes. Diese Boote werden designed für den Chartermarkt im Mittelmeer und fliessbandmässig produziert. Wohingegen hochpreisige Qualitätsjachten aus Manufakturen kommen. Da wir eh planen die ersten Jahre im Mittelmeer unterwegs zu sein, passt das für uns und es gibt Produktionsboote zurzeit wie Sand am Meer: Nach Corona ist es zu einer substantiellen Überproduktion dieser Boote gekommen. Nun erreichen sie den Gebrauchtmarkt und die Preise purzeln, gut für uns, tragisch für alle, die Mondpreise zu Coronazeiten bezahlt haben.
Zum Start haben wir zwei Produktionsboote für je eine Woche gemietet: Eine Sun Odyssey 410 und eine Sun Odyssey 440 des französischen Herstellers Jeanneau, eine Marke der Groupe Bénéteau, einem der Grössten, wenn nicht der Grösste, Sportbootbauer der Welt. Die 410 ist 41 Fuss lang (12.5 Meter), die 440 ist 44 Fuss lang (13.5 Meter). Schaut euch das Video an um den erstaunlichen Unterschied zu sehen welcher der eine Meter ausmacht:
Fazit bis jetzt: Die 410 ist uns zu klein auf Dauer, man bedenke, dass Langfahrer viel mehr Zeugs mitschleppen müssen als Chartergäste für ein/zwei Sommerwochen. Die 440 können wir uns von der Grösse her gut vorstellen. Das Raumkonzept ist brilliant, die Nasszellen fast so gut wie zuhause, die Küche müsste man wohl etwas aufwerten, bei der Qualität kommt Ikea, bzw. Billigcamperfeeling auf, aber irgendwo muss man halt Abstriche machen. Ich halte diese Boote für solide und adäquat, wenn man es nicht drauf ankommen lässt und sie überstrapaziert. Aber wir haben ja nicht vor ums Kap zu fahren, noch nicht.

Die nächsten zwei Boote sind dann Katamarane, ein komplett anderes Konzept, wir sind gespannt.