Segeln
Benno
Eigentlich sind wir ja zum segeln hier, aber in der ersten Woche trifft uns die Bora. Dies gibt uns und vor allem Charly die Gelegenheit erstmal einfach anzukommen.

Die Bora ist ein für die kroatische Küste typischer Fallwind. Er donnert, bei bestimmten Wetterlagen, aus teils 2000 Meter Höhe an die Küste runter. Diese Winde sind eiskalt und erreichen in Teilen Kroatiens Orkanstärke. Trotz professioneller Unterstützung in Form von Ed, bleiben wir erst mal im Hafen und danken Poseidon für die Erfindung der Dieselstandheizung, ohne jene wäre Alexandras Gejammer vermutlich unerträglich.

Wenigstens ist für Hafenkino gesorgt: Die Segelschule am Nachbarsteg übt ernsthaft an- und ablegen bei diesem Wind, was wirklich sehr herausfordernd ist.
Alexandra hat Ed bei ihrem ASA Kurs in Rijeka kennengelernt. Ed ist mit seiner kroatischen Frau frisch aus den Staaten nach Pula gezogen. Er ist selber ASA Instruktor und hat die Segelschule in Rijeka sozusagen inspiziert, da er dort vermutlich angestellt wird. Er würde dann aber wohl im Unterricht einige Sachen anders gestalten. Da er uns sympathisch sowie unsere Pläne interessant findet und es ihm glücklicherweise etwas langweilig ist, da er noch auf seine Arbeitsgenehmigung wartet, bietet er an uns zu begleiten und ein paar Tricks zu zeigen. Natürlich nehmen wir dankend an.
Beim ersten Auslaufen haben wir dann immer noch kräftig Wind und können die 410 ordentlich durch die Wellen peitschen, Charly und Alexandra sind weniger begeistert als ich. Anlegen ist danach eine grosse Herausforderung für mich und ich bin dran für Hafenkino zu sorgen. Wie durch ein Wunder schaffe ich es tatsächlich in unsere viel zu kleine Lücke zu kommen ohne andere Boote zu rammen, aber es war knapp und der halbe Hafen hat mit Gebrüll und Gewinke “mitgeholfen”.
Für Charly, Alexandra und meinen Rücken war das alles ein bisschen zu viel. Die nächsten Tage gehen wir es darum ruhiger an, ganz so wie der Wind. Wir tuckern ein bisschen mit dem Motor durch die Gegend, trainieren An- und Ablegen, üben Ankern und segeln bei Schwachwind unter Eds Anleitung ein paar Manöver. Wir geniessen die schönen Frühlingstage und lassen die Seele baumeln. Auch Charly gewöhnt sich an die neue Umgebung und nimmt langsam das Schiff in Beschlag. Dass er das Segeln geniest, wäre zwar übertrieben aber er scheint nicht allzu gestresst und auch nicht seekrank zu werden.





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