Steht auf, Sklaven der Arbeit
Benno
Die Bulgaren sind anders, anders als die Griechen. Bulgarien scheint bezüglich sozialen Interaktionen ein härteres Pflaster zu sein.
Gesellschaft


Sie haben halt einen rauen Charm. Nicht dass mit den Bulgaren etwas nicht stimmen würde. Ich glaube eher mit den Griechen stimmt etwas nicht: wie kann man nur so gut und entspannt drauf sein 😂 In Bulgarien dagegen wird man auch mal zurechtgewiesen wenn man was falsch macht und auch wenn man nichts falsch macht. Eigentlich ganz normal, und wenn man nicht gerade einen Monat in Griechenland war, würde es vermutlich gar nicht auffallen.
Sofia





Wir fahren zuerst nach Sofia. Über Sofia gibt es nicht sehr viel zu berichten, dafür eine schöne Anekdote: Wir gehen in den Decathlon, wo uns Anna begegnet. Sie hat einen Zwergpudel in Apricot und genau so rote Haare wie Alex, also wird ein bisschen geschwatzt. Am Abend sind wir in einem ganz anderen Quartier von Sofia unterwegs, und Anna läuft uns wieder über den Weg. Sprich: Sofia ist ein bisschen ein Dorf. Durchaus sympathisch.
Toll an Sofia ist, dass es sehr viel Grünfläche gibt. Man kann sich von Park zu Park angeln und dadurch dem Verkehr ausweichen. Am Abend sind die Parks voller Menschen, es gibt überall Konzerte und die Stimmung ist super. Auch cool sind die zahlreichen winzigen Läden, Werkstätten und Kaffees, wo junge Nerds versuchen, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Ein sehr interessanter Mix von jung, kreativ und auch sehr viel Geschichte sowie Tradition.
Wirtschaft





Ich würde es so sagen: Bulgarien hat einen massiven Unterhaltsstau. Den Menschen scheint es gut zu gehen, aber die Infrastruktur und viele der Gebäude sind richtig marode. Die alten Trams aus der Sowjetzeit verstopfen regelmässige den ganzen Tramverkehr, da sie ständig ausfallen und von einem moderneren Model weggeschoben werden müssen. Das ist für mich nur schwer verständlich, die Wende ist ja jetzt schon gut eine Generation her und Infrastruktur- und Häuserbau sind eigentlich ein gutes Business. Am Geld kann es irgendwie auch nicht liegen: Bulgarien hat mit 22% des BIPs die zweittiefste Verschuldung in der EU. Am 1. Januar hat Bulgarien den Euro eingeführt, und vor kurzem die alte korrupte Oligarchenregierung zum Teufel gejagt. Eventuell tut sich ja jetzt dann etwas?
Überland





Von Sofia fahren wir nach Plovdiv und von dort weiter nach Tryavna immer Richtung Bucharest wo wir am 16. eintreffen werden. Die Landschaft erinnert ein bisschen an zuhause, es ist sehr grün und sehr fruchtbar.
Umbedingt müssen wir noch an einem meiner “Einmal-im-Leben-besuchen-Marker” vorbei: Buzludzha Monument. Sowjetischer Brutalismus vom Feinsten. Leider darf man wegen Einsturzgefahr nicht mehr rein. Ich hoffe wirklich, dass die Bulgaren es auf die Reihe kriegen, diese Schönheit zu retten.