Yachtkauf
Benno
Seit ein paar Monaten läuft bei uns im Hintergrund ein grosses Projekt: die Suche nach unserem eigenen Langfahrtschiff.
Der Kauf einer Yacht ist komplex: nicht nur gibt es Unmengen von verschiedenen Bootstypen, auch ist die Bürokratie herausfordernd. Weiter ist der Gebrauchtmarkt undurchsichtig. Es tummeln sich viele halbseidige Gestalten und Glücksritter in dem Markt. Der Bootskauf ist bei weitem nicht so gut reguliert wie der Hauskauf. Ausserdem säuft ein Haus auch nicht gleich ab, wenn es einen verdeckten Mangel hat.

Aus all diesen Gründen haben wir uns professionelle Unterstützung geholt: Johannes von ShoreCrew berät uns und begleitet uns durch den ganzen Prozess. Er kennt die Werften, die typischen Schwachstellen der einzelnen Modelle und vor allem den Gebrauchtmarkt viel besser als wir. Wir kennen Johannes von Blauwasser.de, wo er als Chefredaktor tätig ist. Johannes ist schon um die halbe Welt gesegelt, hat bei Yacht.de als Bootstester gearbeitet, war Marketingleiter bei Sirius und hat mehrere Bücher geschrieben. Und das ist noch nicht mal alles. Kurz, er kennt sich ein bisschen aus.
Wir haben Johannes unser Budget, unsere Ansprüche und unsere “Deal-Breaker” genannt, und er hat uns daraufhin eine lange Liste an Kandidaten zusammengestellt, rund zwanzig Katamarane und dreizehn Monohulls. Einige davon sind im Mittelmeer zum Verkauf angeboten, andere leider am anderen Ende der Welt zum Verkauf stationiert und somit für uns vorwiegend als Inspiration eines bestimmten Katamaran-Modells zu verstehen.



Bei den Katamaranen ist unser klarer Favorit die Prout 45. Uns überzeugt das offene Wohnkonzept mit der Küche im Rumpf. Dadurch hat man einen riesigen Salon, ganz ohne das Gefühl, in einer Höhle zu leben. Die Prout-Konstruktion mit dem tiefliegenden Brückendeck ist zudem bewährt und seetüchtig. Dicht dahinter liegen die Nautitech 40 Open, aber preislich wohl nicht erreichbar, die Fountaine Pajot Belize 43, die wir ja bald ausgiebig in Griechenland testen werden, die Leopard 43 und die Privilège 435. Vielleicht gefällt uns auch noch eine Leopard 39, welche aktuell in Griechenland zum Verkauf angeboten wird. Wir lassen uns bei einer hoffentlich baldigen Besichtigung gerne überraschen!



Bei den Monohulls hat uns die Vilm 117 am meisten überrascht. Geschlossenes Cockpit, super Treppen, insgesamt ein sehr durchdachtes Fahrtenschiff, der grosse Wermutstropfen ist die fehlende Badeplattform, was für unseren Hund Charly ein Problem wäre. Als zweite Option gefällt uns die Nordship 40 DS: Steuerstand und Winschen liegen hinter dem Cockpit, sodass Charly dort nicht im Weg ist, und mit zwei separaten Wohnbereichen bietet sie erstaunlich viel Platz für ein 40-Fuss-Boot.
Ein Kriterium zieht sich durch alle Bewertungen: Charly muss die Treppen sicher schaffen können, ohne auf Dauer die Gelenke zu belasten, und wir brauchen eine Möglichkeit für ihn, vom Wasser aus wieder an Bord zu kommen. Charly ist halt leider wirklich nicht der sportliche Draufgänger. Genauso wichtig ist uns ein offenes, grosszügiges Wohnen an Deck, deshalb landen bei uns Katamarane und Deckssalon-Yachten regelmässig weiter oben auf der Liste als klassische Cockpit-Monohulls.
Haben wir passende Kandidaten gefunden, werden wir je nach Standort alleine oder zusammen mit Johannes die Yacht ein erstes Mal anschauen gehen. Ist das Boot ein heisser Anwärter auf einen Kaufkandidat, wir das Boot von Johannes auf Herz und Nieren geprüft und er wird ein Gutachten erstellen. Besteht das Boot die Tests, werden wir mit Johannes Unterstützung den Preis verhandeln. Die Preise, welche ausgeschrieben sind, werden dabei mit wenigen Ausnahmen nicht erreicht, denn wir haben Glück: Es ist zurzeit ein Käufermarkt.
Während Corona wollte jeder eine Yacht kaufen und der Markt wurde leergefegt, daraufhin haben die Bootsbauer ihre Kapazitäten hochgeschraubt. Jetzt wird der Markt mit diesen Booten überschwemmt. Nach Angaben von Boat24 sind die Verkaufszahlen in einzelnen Monaten im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 40 Prozent zurückgegangen, Anzeigen bleiben im Schnitt deutlich länger online als früher (von rund 34 auf über 50 Tage), und fast jeder zweite Verkäufer muss inzwischen seinen Preis reduzieren: im Schnitt um rund 15 Prozent.
Schlechte Boote finden kaum mehr Abnehmer. Gute Boote haben immer noch einen hohen Preis. Aber man muss heute so ein Boot nicht mehr ungesehen kaufen, man kann sich Zeit nehmen und das Boot richtig begutachten und bei Mängeln auf eine Preisreduktion bestehen. Das ist also viel entspannter als noch vor ein paar Jahren.
Genau diese entspannte Ausgangslage gibt uns die Zuversicht, dass wir mit Johannes Hilfe relativ rasch ein Boot finden, das wirklich zu uns passt, ohne dabei Kompromisse eingehen zu müssen. Mit etwas Glück bereits im Frühjahr.