Sofia
Benno
Samstags nehmen wir in Lefkas unsere Belize in Empfang. Am Sonntagmorgen trifft dann Sofia ein, sie wird uns als Seglehrerin 3 Tage zur Seite stehen.
Der Check-in ist das komplette Chaos. Ich habe erwartet, dass hier bereits Nebensaison ist, aber der Hafen ist wie ein Bienenhaus. Es scheint, als sei so ziemlich jedes Charterschiff vermietet. Die Charterbasis in Lefkas, die ein Subunternehmen unseres Vercharterers in Athen ist und über unseren Agenten in Deutschland gebucht wurde, ist komplett überfordert. Man würde meinen, die machen das zum ersten Mal.

Ich liebe die Griechen, aber es wird jetzt auch klar, warum viele Auswanderer bezüglich diversen Themen in Bezug auf Dienstleistungen frustriert sind: Die Griechen haben das Philosophieren erfunden, gewisse Griechen aber definitiv das Arbeiten nicht. Natürlich gibt es auch ganz viele sehr fleissige und zuverlässige Griechen, von denen haben wir auch schon viele kennen und schätzen gelernt, darüber dann mehr im nächsten Blogpost. Aber dieses Mal müssen wir auch die Kehrseite vom Geschäft mit den Touristen kennenlernen. Und so werden Dinge versprochen, die nicht zu halten sind, Schuldige gesucht, es wird mit Polizei gedroht, mit Abbrechen der Geschäftsbeziehung, jedes Register wird gezogen. Bloss nie einen Fehler zugeben, auf keinen Fall jemals klein beigeben. Jeder ist enorm wichtig, keiner ist bereit, irgendetwas zu entscheiden. So stelle ich mir den griechischen Beamtenstand vor, aber das scheint in der Privatwirtschaft wohl ähnlich zu laufen.
Und so kommt es nicht überraschend, dass unser Boot am Samstag nicht bereit ist. Meine Frage, was denn der Plan ist, um das Problem zu lösen, wird mit einem Schulterzucken quittiert. Gnädigerweise dürfen wir dann doch noch auf das Schiff und müssen kein Hotel buchen: Das wollen sie natürlich nicht bezahlen müssen. Man wird das Schiff dann morgen in den Hafen fahren und dort fertig bereitstellen. Das ist besonders ärgerlich, denn am Morgen wollen wir eigentlich mit der Segellehrerin los, die auch in Griechenland viel Geld kostet.
Das Schiff ist in einem erbärmlichen Zustand.

Sofia unsere Segellehrerin ist ebenfalls eine Griechin, aber sie ist auf Zack. Bei ihr gibt’s kein Wischiwaschi, da muss alles korrekt sein. Sie würde defintitv eine gute Marineoffizierin abgeben.
Sie hat einen durchgetakteten 3-Tagesplan ausgearbeitet, und da wir wegen der Charterfirma erst gegen Mittag los können, sind wir schon längst nicht mehr in Sofias Zeitplan. Weder wir noch das altersschwache Boot können das Tempo mithalten. Am Morgen des zweiten Tages muss ich ihr mit Nachdruck erklären, dass sie ein paar Gänge runterschalten muss und mehr Geduld mit uns braucht. Es geht nicht darum zu beweisen, dass sie segeln kann, daran besteht kein Zweifel, sie ist die kompetenteste 22-Jährige diesseits der Alpen. Das Ziel ist, dass Alexandra und ich zusammen, ohne einen Nervenzusammenbruch, das Boot an- und ablegen können. Am Ende der 3 Tage erfüllen wir dieses Ziel zu 75 %: Von 4 Anlegemanövern endet nur eines in einem Nervenzusammenbruch. Wir betrachten das als Erfolg, es gibt aber noch Luft nach oben.
Das letzte Anlegemanöver zurück am Pier der Charterbasis in Lefkas erweist sich als schwierig. Nach 3 Tagen sind wir mental und körperlich ausgepowert. Der Hafen ist fast leer: Auf unserer Seite des Piers liegt kein einziges anderes Schiff, was das Anlegen interessanterweise schwieriger macht, weil das ein präziseres Manövrieren erfordert, als wenn man sich «einfach» an ein anderes Schiff «legen» kann.
Vis à vis vom Pier lassen eine ältere Gruppe Herren die Whiskyflasche kreisen und amüsieren sich zunehmend lautstark über Alexandras Versuche den Pier im richtigen Winkel zu treffen. Sofia scheisst die derart zusammen, dass alle in Achtungstellung gehen und für ein paar Minuten kein Wort mehr sagen. Da kann man noch etwas lernen. Alexandra ist aber völlig am Ende und fährt zu allem Überfluss auch noch die Mooringleine in den Propeller. Ich bin überzeugt: Die will nie mehr ein Segelschiff betreten.
Wir werden erst mal hier liegenbleiben und uns morgen gar nicht bewegen, nicht nur, weil wir alle fix uns fertig sind: Die Idioten von der Charterbasis haben es geschafft, das Grosssegel falsch zu montieren. Zum Glück hatten wir eine Sofia dabei, wir haben die Segel unterwegs einmal gehisst und sie hatte eine Notlösung für das Problem bereit. Aber das muss jetzt erst mal korrekt gerichtet werden. Grundsätzlich eigentlich eine Kleinigkeit für eine Fachperson, aber es muss zwingend von einem Profi gemacht werden, da sicherheitsrelevant. Ausserdem organisieren wir einen Taucher, um die Mooringleine rauszuschneiden. Keiner von uns will hier tauchen, denn die Charter-Schiffe haben vermutlich alle keinen Grauwassertank, sprich: Jeder ohne Grauwassertank scheisst hier direkt in den Hafen, auch wenn das natürlich in der EU verboten ist.
Nun, wir kennen langsam das Vorgehen: Abstreiten, Abwiegeln, falsche Versprechen, Schuldige suchen, drohen. Inzwischen weigere ich mich, mit dem Charterhandlanger zu sprechen; es wird jetzt alles eskaliert über unseren Agenten in Deutschland, welcher dann in Athen anruft und die instruieren die Basisverantwortliche. JoJo reagiert wie immer supermenschlich und professionell. Tatsächlich tauchen dann unangekündigt diverse Angestellte der Charterfirma auf, kommen ohne Hallo zu sagen einfach auf das Schiff, verlangen von Alex noch Ersatzteile welche auf dem Boot sein sollen und richten in einer chaotischen und gefährlich anmutenden Aktion das Segel. Wir stehen eigentlich falsch herum im Wind dafür, aber es korrekt zu machen scheint keine Option zu sein. Es machte den Eindruck, dass sie keine Ahnung haben was sie da machen. Ein Langfahrer welcher Alex beim Gassigehen kennengelernt hat und das ganze Leben auf Segelschiffen verbracht hat hilft uns dann, die ausgeführte Arbeit zu überprüfen. Natürlich wurde es wieder falsch gemacht: Es ist so nicht möglich, das Grosssegel ganz hochzuziehen. Dave schüttelt nur den Kopf und meint: That’s a safety issue. Sehe ich auch so. Also wieder nach Deutschland telefonieren. Und so geht das ganze 3.5 Tage, ich kann hier gar nicht alles schreiben, was wir schon mit denen erlebt haben. Die Aufarbeitung ist dann eine Aufgabe für unsere Rechtsschutzversicherung, wir müssen uns jetzt erst mal um uns selber kümmern. Weiteres Chartern nach den bereits gemachten Buchungen ist aber für uns mit Sicherheit gestorben.
Im nächsten Blogpost erzähle ich euch dann, ob und wie wir vielleicht eine Yacht gekauft haben. Unsere erste Woche ist noch nicht mal um. Ein intensives Leben, das so gar nichts mit Urlaub zu tun hat.