Alex und Tom
Benno
Mit Alex und Tom waren wir bereits vor einem Jahr eine Woche lang beim SKS-Praxisturn unterwegs. Jetzt verbringen wir wieder eine Woche zusammen, diesmal ganz ohne Segellehrer, aber zu viert werden wir’s schon schaukeln.
Nachdem wir es geschafft haben, das Boot in Ordnung bringen zu lassen, steht dem Abenteuer auch nichts mehr im Wege. Der Gründer und Vater der Chefin der Charterbasis meint noch: Warum willst denn du ein Reff, es hat doch eh keinen Wind. Er soll recht behalten. Trotzdem, so etwas sagt man einfach nicht, da bei einem so grossen Segel auf einem Katamaran ein Reff sicherheitsrelevant ist. Wind hin oder her.
Wir fahren von Lefkas durch den Kanal nach Süden und verbringen die erste Nacht in Vathi auf der Insel Meganisi. In Griechenland wird meist römisch-katholisch angelegt, niemand konnte uns bisher erklären weshalb das genau so heisst. Man wirft den Anker und fährt dann rückwärts an den Pier, wo man sich mit zwei Leinen festmacht. Das ist nicht ganz einfach, aber zu viert deutlich entspannter als nur zu zweit.

Aus irgendeinem Grund hält dann aber unser Anker nicht so recht, und als der Wind auffrischt, wie wohl jeden Abend hier, drückt es uns aufgrund des Schwells gegen den Pier. Ich denke pragmatisch: Don’t be gentle, it’s a rental, und quetsche noch einen zweiten Fender dazwischen. Keine Lust, nochmals das Manöver zu fahren, und wenn’s Kratzer gibt: nicht mein Problem. Das klappt dann auch ganz gut.

Am nächsten Morgen herrscht spiegelglatte See und es ist kein Windhauch in Sicht. Wir motoren knapp 4 Stunden nach Kioni auf Ithaka, der angeblichen Heimat des Odysseus.

Kioni ist eines der Highlights, und dank Sofia können wir einen Platz reservieren, ein Privileg, welches hier anscheinend nur Profiskippern zusteht. Wieder römisch-katholisch, Alexandra bekommt ein Durcheinander mit den Gashebeln, und wir müssen etwas nachhelfen, damit es keinen Kratzer am Nachbarboot gibt. Insgesamt hat Alex aber langsam den Dreh raus und macht das mit Ruhe und Bedacht. Sie meint sogar, dass es ihr Spass macht, was ich sehr begrüsse, weil mir die Manövriererei tatsächlich keinen Spass macht: Ich finde es einfach nur stressig.

Das Fischerdorf Kioni ist wirklich süss und dank dem begrenzten Platz auch nicht überlaufen. Tatsächlich scheint die Saison jetzt langsam zu Ende zu gehen.

Der Grund, warum Römisch-Katholisch eigentlich eine dumme Idee ist und kaum sonst jemand auf der Welt das so macht, ist: Wenn nicht jeder seinen Anker genau vor sich runterlässt, gibt es Ankersalat. Die Ankerketten kreuzen sich dann am Boden, und wenn man morgens los will, zieht man den Anker des Nachbarn mit hoch. Genau das passiert uns am Morgen. Unsere alterschwache Ankerwinde schafft es nicht, beide Anker hochzuziehen. Zum Glück sind wir 3 kräftige Männer an Bord und können nach etwas Gefummel die Anker von Hand hochziehen und uns befreien. Sofia behauptet, dass so etwas vielleicht einmal im Jahr vorkommt, wir sind aber besser und haben das schon beim 2. Mal geschafft.

Wir motoren weiter gegen Süden in die Bucht Pera Pighadi, wo wir planen, für die Nacht mit Long-Line zu liegen. Bei der Long-Line wird der Anker abgelassen und das Heck mit zwei langen Leinen an Land festgemacht, ganz ähnlich wie römisch-katholisch. Da es an Land oft viele Felsen hat, muss man sich zwei passende Stellen suchen und die Leinen um einen Felsstück zurren. Wir sind sehr von uns und unserem Gebastel überzeugt. Gegen Abend kommt wie immer der Wind mit Schwell, und ich höre nur ein lautes Geräusch und sehe, wie die eine Leine im Wasser schwimmt: Die ist beim ersten Windhauch vom Felsen gerutscht. Also wieder baden gehen und einen neuen Versuch die Leine festzumachen.
Nicht nur wegen dieser Leine, von der ich noch träume, schlafe ich schlecht: Bei Anbruch der Dunkelheit bekommen wir in unserer Bucht, die wir ausgesucht haben, weil sie so still und friedlich sein soll, Nachbarn in einem grossen 46 Fuss Katamaran. Immerhin hat der Skipper wohl viel Erfahrung und macht das Anker-Manöver in einer Ruhe obwohl es schon dunkel ist. Seine Gehilfen schaffen dann aus Mangel an Tageslicht mit dem Aussenborder in der Dunkelheit nur noch eine Long-Line an einem Stein festzumachen, weil man gar nichts mehr sieht. Anscheinend ist die Kundschaft, eine Horde junger Russen, die schon ordentlich betrunken sind. Die haben aber noch gar nicht Gas gegeben und drehen jetzt richtig auf, keine Ahnung, warum die 5 Meter neben uns stehen müssen, es hätte mehr als genug Platz. Auch keine Ahnung, warum man genau hierher kommt, um sich volllaufen zu lassen und die halbe Nacht im Nirgendwo rumzuschreien. Diese Art Kundschaft ist sicher auch ein Grund, warum viele Vercharterer gegen Ende der Saison mit den Nerven runter sind.
Wir fahren schon wieder nach Vathi. Dieses Vathi liegt aber auf der Insel Ithaka und ist der Hauptort. Hier können wir gratis am Stadtpier liegen. Alexandra wird immer besser mit den Manövern. Die Seilmannschaft hat noch Luft nach oben.
Am nächsten Tag fahren wir rüber zur Tanke und füllen auf. Charly bekommt ein Läckerli vom Tankwart. Das war die netteste Tankstelle die wir bisher besucht haben, und der Tankwart hat auch behauptet, es sei die einzige Tankstelle in Griechenland, welche ausserhalb eines Hafens liegt. Man will definitiv nicht am Freitagabend mit allen Charterern zusammen in einen Hafen fahren müssen, um zu tanken.
Heute ist es dann soweit: Unser Segelboot segelt! Das zweite Mal in 2 Wochen hissen wir die Segel. Die Jungs sind begeistert und grinsen über beide Ohren. Bei 10 Knoten Wind machen wir gut 6 Knoten Fahrt, nicht so schlecht für das Dickschiff.
Über Nacht ankern wir in der Bucht Vlico, ein unwirklicher Ort. Hier stapeln sich die Schiffe jedes Alters und jeder Preisklasse. In der Nacht kommt dann doch noch ein Gewitter, so ziemlich überall läuft das Wasser rein, Alexandra war zum Glück vorbereitet und hat ihre Luke bereits mit einem Abfallsack abgedichtet. Armes Boot.

Am Morgen geht es dann zurück zum Charterpier, noch bevor uns der angekündigte Regen erreicht. Es war eine sehr schöne Woche. Das erste Mal kam so etwas wie Urlaubsgefühle auf und wir haben uns zunehmend sicherer gefühlt. Das liegt sicher auch an der tatkräftigen Unterstützung von Alex und Tom, vielen Dank, Jungs. Nächstes Jahr dann auf unserem eigenen Kahn!

Im nächsten Blog Post erzähle ich euch dann, warum ich Bekanntschaft mit der griechischen Polizei machen durfte.